450 Menschen, eine Kette, ein klares Signal

(C) alle Bilder: Cordula Denk

Manchmal reicht ein Wochenende, um zu zeigen, wie eine Stadt tickt. In Penzberg war es dieses: Freitagmorgen eine islamfeindliche Schmiererei an der Moschee, Sonntagabend eine Menschenkette mit 450 Teilnehmenden. Wir waren als Teil des Bündnisses „Penzberg bleibt bunt“ mit dabei – organisiert hat die Aktion das Bündnis, wir haben sie über unser Netzwerk mitgetragen.

Was am Freitag geschah

Die Hinweistafel zum Freitagsgebet des Islamischen Forums war zum wiederholten Mal beschädigt worden, entdeckt von einer Polizeistreife am Morgen. Für „Penzberg bleibt bunt“ war damit eine Grenze erreicht. Mitbegründer Clemens Meikis brachte den Antrieb hinter dem, was danach folgte, auf den Punkt: Wer den Anfängen nicht wehre, schaue am Ende weg.

Innerhalb weniger Stunden war aus dem Entschluss eine Genehmigung geworden. Bis 21:30 Uhr am selben Abend standen Bürgermeister Thomas Kopf, Ordnungsamtsleiter Joachim Bodendieck, die Polizei und das Landratsamt in Kontakt mit dem Bündnis – Ziel war eine Eilversammlung für den übernächsten Tag.

Der Sonntag

Wer am Sonntagabend zur Moschee kam, brauchte gutes Schuhwerk: Gewitterwarnung, Regen. Trotzdem strömten deutlich mehr Menschen zusammen als geplant – 300 waren angemeldet, am Ende zählte die Polizei 450. Die Kette musste kurzerhand erweitert werden, bis hinüber zum benachbarten Lokal „Maida“, stellenweise reihten sich die Teilnehmenden dreifach.

Kritische Stimmen gab es auch: Mit mehr Vorlauf, hieß es, wäre wohl noch mehr Beteiligung drin gewesen. Versammlungsleiterin Gianna Lisci und Meikis sahen das anders – nach dem zweiten Vorfall wollten sie kein zweites Mal abwarten.

Wer stand mit in der Kette

Die Liste der Teilnehmenden liest sich wie ein Querschnitt durch die Stadt. Katholischer Pfarrer Bernhard Holz hatte im Sonntagsgottesdienst dafür geworben, sein evangelischer Kollege Julian Lademann stand selbst mit dabei. Aus München war eigens Tarek Abdin-Bey vom Deutsch-Syrischen Verein angereist – beeindruckt, wie er der Presse sagte, von der Solidarität vor Ort.

In der Reihe: Imam Benjamin Idriz, Hand in Hand mit allen drei Penzberger Bürgermeistern und mehreren Stadträten. „Dass Hunderte von Leuten kommen, hätte ich nicht erwartet. Ich bin überwältigt“, sagte er sichtlich bewegt.

Auch aus der Nachbarschaft kamen klare Worte. Dieter Sonnenstuhl, der mit seiner Frau teilnahm, begründete es schlicht: „Man muss auch mal Farbe bekennen.“ Hans-Jürgen Drasdo zog ein knappes Fazit: „Penzberg funktioniert.“ Zwischenfälle gab es keine – stattdessen blieben viele nach dem offiziellen Ende noch lange im Gespräch stehen.

Die andere Seite der Medaille

So ermutigend der Abend war – ganz ungetrübt war die Stimmung nicht. Stadtrat Bayram Yerli freute sich über die Beteiligung, äußerte aber offen seine Sorge über die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre. Die aktuelle Lage empfindet er als beklemmend.

Und wir?

Organisiert haben wir nichts von alledem – das war die Arbeit von „Penzberg bleibt bunt“ und der vielen spontan Mitziehenden. Als Teil des Bündnisses haben wir wie bei früheren Aktionen unser Netzwerk zur Verbreitung genutzt und im Hintergrund unterstützt, wo es gebraucht wurde. Dass sich ein solches Zeichen innerhalb eines Wochenendes organisieren ließ, zeigt vor allem eins: Das Netzwerk in Penzberg trägt.

Quelle: Penzberger Merkur / Weilheimer Tagblatt, 4. August 2026, Cordula Denk