Owerri-Rundbrief #30

Ein halbes Jahr ist vergangen seit unserem letzten Rundbrief. Was wir kürzlich im Juni aus Owerri gehört haben, teilen wir hier gerne mit.

Aktuell werden 30 junge Leute in der Nähwerkstatt, 10 in der Konditorei und 10 im IT-Sektor ausgebildet. Zur Nähwerkstatt wird angemerkt, dass für die steigende Zahl der Auszubildenden nach wie vor nicht genügend Nähmaschinen verfügbar sind. Einmal mehr hofft man hier auf die Hilfe der Freunde von Father Gerald.

In der zweiten Septemberwoche sollen alle ihre einjährige Ausbildung beenden. Man plant jetzt eine räumliche Veränderung, um eine JDPC-Berufsschule zu gründen. Die Diözese sucht nach einem geeigneten Areal und natürlich auch nach Förderern für die Errichtung. Als neuen Zweig soll es eine Ausbildung für professionelle Fahrer geben. Dadurch erhofft man sich mehr Sicherheit im Verkehr.

Das politische Klima ist angespannt, nähern sich doch schon wieder die nächsten Wahlen, im Januar 2027 finden sie statt. Leider sind es viele Menschen müde, sich daran überhaupt noch zu beteiligen, nachdem Wahlen in der Vergangenheit nichts an ihren Lebensverhältnissen zu ändern vermochten. Father Gerald und seine Kollegen jedoch bemühen sich um Ermutigung, sie predigen, dass politisches Interesse und Wahlbeteiligung bürgerliche Verantwortung und moralische Verpflichtung seien. Auch wirbt man um die Beteiligung als Wahlhelfer oder Wahlbeobachter.

Alle Auszubildenden werden aufgefordert, ihre Aufgabe für die Demokratie zu erfüllen. Auch in Predigten, über Social Media und alle denkbaren Kanäle setzt sich die Kirche für demokratische Bildung ein. Und sie schafft Plattformen: In Vorbereitung ist ein Townhall Meeting, bei dem sich die Kandidaten der einzelnen Parteien vorstellen sollen. Hier wird es die Möglichkeit für einen direkten Austausch geben.

Politik und tägliches Leben

In dem Rundbrief mit all diesen Informationen sind auch die Themen genannt, um welche das politische Interesse kreist: Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Landwirtschaft, Unterstützung der Jugend und Infrastruktur.

Wenn wir im WhatsApp-Austausch stehen, fragen wir in solchen Momenten nach, ob wir denn vielleicht auch etwas aus dem ganz alltäglichen Leben erfahren könnten. Interessant ist, dass dann Fotos und Videos zurückkommen statt Analysen: Ein zusammengestelltes Potpourri zeigt uns, dass es weiterhin vornehmlich Frauen sind, die an den Programmen teilnehmen. Wenn sie mit dem Schneidern, Backen oder in der Pflege ihr eigenes Geld verdienen können, trägt dies maßgeblich zum Erreichen eines der 2016 verabschiedeten 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bei, zur Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen.

Zwei Fotos lassen uns nachfragen: Ist es wirklich so, dass nicht allein auf dem Land, sondern auch in Owerri üblicherweise über offenem Feuer gekocht wird? Ja, durchaus! Und wir erhalten dazu noch ein Bild, auf dem man sieht, dass nur in besseren Verhältnissen im Haus eine Gasflasche steht, auf deren Flamme direkt eine Pfanne gestellt wird zum Schmoren.

Der leckere Jollof Reis übrigens ist ein typisch nigerianisches Eintopfgericht, bestehend aus Reis, passierten Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Knoblauch, Olivenöl, Chili und Gemüsebrühe. Dies sind auch die Lebensmittel, die meist an Bedürftige ausgegeben werden. Die Mittel dafür werden von Stiftungen weltweit gesammelt.

Ernährung und Gesundheit

Erst vor drei Tagen hat wieder eine solche große Wohltätigkeitsaktion stattgefunden. Aus fünf Distrikten kamen die Menschen in einer großen Halle zusammen. Bevor sie Nahrung und Medikamente erhielten, wurden sie angehalten, sich regelmäßig untersuchen zu lassen und gesund zu leben.

Der dazu soeben bei uns eingetroffene Bericht spricht von Hunderten von Menschen, die bei dieser Gelegenheit Vorsorgeuntersuchungen wahrnahmen und neben Nahrung und Medikamenten auch Kleidung erhalten konnten.

Sicherheit und Infrastruktur

Die Gefährdung durch terroristischen Islamismus bleibt für Nigeria weiterhin bestehen, wenngleich weitgehend im Norden. Ein Trost ist das für die Mitmenschen im Süden nicht. Für sie aber sind Kriminalität und schlechte Verkehrswege aktuell das größere Problem.

Wir freilich können nur im Kleinen helfen. Wie gehabt: mit Nähmaschinen! Über Spenden dafür freuen wir uns und sind überaus dankbar.

🙏 Mit einem herzlichen Gruß auch aus Owerri

Ihre
Ulrike Sidki und Anette Völker-Rasor


Förderverein Werkraum Penzberg e.V.
IBAN: DE75 7009 3200 0002 5810 35
BIC: GENODEF1STH
VR-Bank Starnberg-Zugspitze eG
Stichwort: Nähmaschinen für Owerri